Die Sache mit der KI (englisch AI) ist eigentlich ganz einfach – und dann doch wieder nicht. Denn KI ist nicht gleich KI.
Beschäftigen wir uns mal ganz grob mit den Grundzügen. Eine KI baut auf einem LLM, einem Large Language Model auf, das gelernt hat, menschliche Sprache zu interpretieren. Erinnert ihr euch noch an die grauseligen Text-Interpretationen aus der weiterführenden Schule? Genau das ist der Job eines LLM – eine Interpretation dessen ausgeben, was als Aufgabe eingegeben und als Ziel genannt wurde. Das Ziel ist das, was die Lehrperson am Ende von uns lesen wollte – oder eben das, was wir von der KI als Ergebnis erwarten.
Ein LLM hat gelernt, was von ihm erwartet wird, so wie wir gelernt haben, was die Lehrperson von uns lesen wollte. Aber: Dazu muss das LLM gefüttert werden. Ganz genau so, wie die Lehrperson das mit uns gemacht hat. Aufgabe geben, Ergebnis auswerten, Rückmeldung geben. Damit wir beim nächsten Mal das Ergebnis verbessern. Das war unser Lernerfolg. Und je mehr Aufgaben und Rückmeldungen wir bekommen haben, umso größer die Chance, die Erwartungen zu treffen.
Gleiches gilt für das LLM, das wird mit Aufgaben und Rückmeldungen gefüttert und liefert dann nach und nach bessere Ergebnisse.
Das klingt erst einmal ganz einfach, logisch und toll. Bis man sich Gedanken darüber macht, woher denn die Ergebnisse kommen. Und da müssen wir unterscheiden zwischen generativer und assistierender KI. Zur groben Einteilung: Generative KI (abgekürzt gen KI) generiert etwas, stellt also etwas eigenständig her mit Hilfe des LLM. Assistierende KI (abgekürzt ass KI) hingegen assistiert bei etwas, hilft und unterstützt also mit dem LLM. Und hier beginnt es komplizierter zu werden, wenn man sich nicht nur die technische, sondern auch die ethische und moralische Seite dazu anschaut.
Fangen wir mal mit ass KI an. In der Regel (nicht immer!) ist es so, dass das LLM für die ass KI lokal betrieben wird – ist also nur für den Nutzenden selbst bzw. einen kleinen Nutzerkreis verfügbar. Das LLM kann nur mit den Daten dieser Nutzer lernen, ist dadurch aber unglaublich persönlicher und spezifischer.
Beispiele für eine ass KI: Das Bildbearbeitungsprogramm, das anbietet, den Hintergrund einer Fotografie mit wenigen Klicks zu entfernen. Oder eine digitale Zeichnung in eine Vektor-Datei umzuwandeln. Die Funktion in der Arzt-Software, die anbietet, eine Kurzzusammenfassung der Patientenakte zu erstellen. Eine App, die einer sehbehinderten Person durch die Auswertung eines Fotos sagt, was sie selbst nicht erkennen kann. Oder auch das Tool im Buchhaltungsprogramm, das über wenige Abfragen einen Bericht mit Präsentation erstellt für den Wirtschaftsprüfer.
Das sind alles nützliche Dinge, die unterstützen und helfen, einiges einfacher oder schlicht und ergreifend zugänglich machen. Das ist der Part der KI, der moralisch und ethisch in Ordnung ist. Die Nutzer geben Rückmeldung zu den Ergebnissen und die ass KI kann so verbessert werden und bekommt ein Update.
Aber dann ist da noch die gen KI, der Part, für den es am meisten Kritik gibt. Denn gen KI unterstützt nicht, sie stellt her. Mit wenigen Prompts lassen sich Bilder, Texte und sogar Filme erstellen. Dazu wurden unzählige Datensätze vorher ins LLM geschüttet, damit dieses lernen kann. Ohne Zustimmung der Kunstschaffenden selbst. Das bekannteste Beispiel ist hier vielleicht das japanische Zeichentrick-Studio Ghibli, dessen Stil man mittlerweile in jeder gen KI findet und die sich deutlich dagegen aussprechen. Oder Penguin Random House, die gegen OpenAI klagen, weil man dort Geschichten um den Drachen Kokosnuss erstellen lassen kann. Oder ganz aktuell: Carlsen, die mit Marc-Uwe Kling und Astrid Henn gegen OpenAI klagen, weil man dort das NEINhorn erstellen lassen kann.
In dem Moment, wo die Zustimmung fehlt, die Kunst ins LLM einzuspeisen, liegt ein Urheberechtsverstoß vor, ganz einfach gesagt. Der Stil von Ghibli oder Henn ist jetzt für jeden frei verfügbar, ohne sich die Mühe zu machen, selbst zum analogen oder digitalen Stift greifen zu müssen. Das ist keine Kunst, das ist Diebstahl.
Das betrifft aber nicht nur bildhafte Kunst, sondern genauso Textwerke. Die Nachricht, dass Meta Piraterie-Datenbank ausgewertet hat, um damit die eigenen LLM zu trainieren hat international riesige Wellen geschlagen. Keiner hat dem zugestimmt – weder der Veröffentlichung auf einer dieser Webseiten, noch dazu, für das Training eines LLM herangezogen zu werden. Also gleich doppelt gegen die Rechte von Autoren und Kunstschaffenden verstoßen.
Und genau der Part, die gen KI, ist der Teil der KI, gegen den auch ich mich deutlich ausspreche. Ich liebe Kunst, in Wort und Bild, und ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Genau das schätze ich daran, das ist es doch, was Kunst wirklich ausmacht. Dass der Schaffensprozess Zeit und Nerven kostet, man immer mal wieder einen Schritt zurück gehen muss, nicht vorwärts kommt. Aber dann hat man irgendwann das Ergebnis und kann verdammt stolz auf sich sein. Deswegen nutze ich keine gen KI. Weder frage ich das LLM, wie ich etwas besser strukturieren lassen kann, noch lasse ich mir Bilder erstellen. Weil hinter beidem die Arbeit eines anderen, echten Menschen steckt, der dafür nie die Anerkennung bekommen wird, die ihm zusteht. Und genau das will ich aber, Anerkennung zollen für die Arbeit hinter der Kunst, so wie es ihm ethisch und moralisch zusteht.
Nimm mir meinen Rechner und meine Tastatur weg und ich schreibe dir immer noch ein Buch, und wenn ich es mit einem Stock in den Sand kratzen muss. Aber ich schreibe. Nimm einem digitalen Maler den Stift weg und er wird immer noch malen können, und wenn es mit einem Stock im Sand ist. Kunstschaffende sind nicht an das Herstellungsmedium gebunden, sie werden immer Kunst schaffen können, egal, was ihnen zur Verfügung steht.
Ein KI-„Künstler“ kann das nicht. Nimm ihm den Rechner weg und er sitzt da und kann keine „Kunst“ entstehen lassen. Oder nimm ihm einfach nur jedes illegal gefütterte LLM weg, das hat den gleichen Effekt.
Meine Texte und Bilder sind von mir hergestellt. Brauche ich für die Bilder ein Foto, das ich nicht selbst herstellen kann (wie die Bräute auf meinen Covern zum Beispiel), dann gibt es genug Echtbild-Datenbanken, auf denen ich fündig werde. Die meisten sind lizenzfrei auch kommerziell nutzbar, wenn nicht, bin ich bereit, Geld auszugeben. Denn ja, Kunst kostet am Ende des Tages immer Geld.
Übrigens auch KI-„Kunst“. Die Rechenzentren müssen gebaut und gekühlt werden – und die Kühlung ist es, die dazu beiträgt, den Klimawandel weiter voranzutreiben. Unter dem wir alle leiden, indem Ressourcen knapper und damit Lebensmittel und Lebenshaltungskosten teurer werden. Am Ende des Tages kostet uns jede Anfrage an ein LLM wertvolle Ressourcen (laut Recherche ca. 300 bis 500 ml Wasser pro 10 Anfragen, es gibt aber noch keine verlässlichen Daten dazu). Und das will ich nicht unterstützen, wenn es gen KI betrifft. Ass KI bringt dafür einen Mehrwert, den ich für vieles gern unterstütze.
Ass KI gehört zu meinem Brotjob und irgendwann wird die vermutlich sogar so weit sein, meinen Job zu übernehmen und mich damit abzulösen. Das ist das Risiko des technischen Wandels, dem ich unterliege, weil ich einen Job in der IT habe.
Gen KI gehört aber nicht dazu – weder beruflich, noch privat. Nicht für lustige Bilder oder meine Geschichten. Die entstehen immer noch durch menschliches Einwirken und ich wünsche mir, dass das so bleibt und irgendwann einfach die Erkenntnis da ist, dass Diebstahl keine gute Art ist, Kunst schaffen zu wollen.
Weiterführende Links zum Text oben:
Large Language Model – Wikipedia
KI für mehr Inklusion: 8 gute Beispiele | Aktion Mensch
Studio Ghibli – Wikipedia
OpenAI: KI erstellt Bilder im Ghibli-Stil – und löst heftige Diskussion aus
Penguin Random House Verlagsgruppe klagt gegen OpenAI
Carlsen klagt gegen Open AI
Mark Zuckerberg und der Vorwurf der Piraterie: Wie Meta KI trainierte
Warum KI viel Wasser und Strom braucht | tagesschau.de
